Von der großen Machtpflanze zum einfachen Gewürzkraut

Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris)
Die Artemisia galt über lange Zeit und in vielen Kulturen als große Machtpflanze. Aus Funden geht hervor, dass sie schon in der Steizeit als Schamanenpflanze genutzt wurde. Im Fernen Osten, in China, Tibet und Japan werden mit Beifussrauch die Dämonen und bösen Geister vertrieben. Auch die Indianrer reinigen  und weihen den Körper und Gegenstände mit Beifuß. Derjenige, der eine Vision sucht wird mit Beifuss eingerieben und wer unwillkürlich ein Tabu verletzt oder einen Fetisch berührt, muss in Artemisia baden, denn die Pflanze vertreibt alle bösen Einflüsse. In Indien und im Tibet sind es schlangenänliche Dämonen, die dem Himmelgöttern Feind sind, denen man mit Beifussräucherungen zu Leibe rückt. Auch in Europa wird der Beifuss als Schutz gegen Dämonen verwendet. So wird berichtet, dass die Römer Beifusskränze im Haus aufhängten um unsichtbare Störungen zu verteiben und den bösen Blick abzuwehren.

Für die germanischen Stämme galt der Beifuss wohl als die mächtigste aller Pflanzen. Zeitweiße wurde er als „Die Mutter aller Heilpflanzen“ betrachtet. Mugwurz, also „Machtwurz“ wurde er genannt. Muggert, Müggert und Mugwurz heisst er noch immer in den niederdeutschen Mundarten. Mugwort heisst er auf englisch.

Ausserdem war die Pflanze auch schon immer den großen Göttinnen der Frauen geweiht. Im gesamten Mittelmeerraum war es die Göttin Artemis. Daher der Gattungsname Artmisia. Aremis ist die Herrin der wilden Tiere, die ungebundene Jägerin, die jenseits der schützenden Mauer der Zivilisation in der Wildnis ihr Wesen treibt. Sie verabscheut das Joch der Ehr, hilft aber den Gebärenden und den Kindern. Bei den Römern war der Beifuß auch der Göttin Diana geweiht und im alten Ägyten der Göttin Isis.

Die gynäkolisische Anwendung der Pflanze ist universal. Sie ist bei den Indianern ebenso wie bei den Indern und Chinesen belegt. Wahrscheinich benutzten Frauen schon in der Steinzeit diese Pflanze als Sitzbad, um die Menstruation anzuregen. oder tranken sie bei der Geburt, um Wehen anzuregen, die Nachgeburt oder einen Fötus abzutreiben oder etwa um sich einer ungewollten Schwangerschaft zu entziehen.

Aber nicht nur die Göttinnen bedienten sich der Machtvollen Pflanze, die auch stark auf unsere Seele einwiken kann und zu den Pflanzen zählt, die das dritte Auge öffnen können, auch Donnergott Thor nutzt ihre Kräfte. Sein Gürtel Megingejarda war aus Beifuß, ein Zaubergürtel mit dem er seine Kraft verdoppeln konnte. So wurde auch der Sonnenwendgürtel zu Johanni aus Beifuß gebunden. Häufig wurde solch ein Sonnenwendgürtel am Schluss des Sonnenwendfestes im Feuer verbrannt. Dadurch sollte alles Schlechte verbrannt werden.

Die Wurzel des Beifußes wurde als Amulett getragen, um die Kraft zu verstärken.

Immer, wenn es etwas zu reinigen gab, hauptsächlich im seelischen, geisigen Bereich war die Artemisia das Räucherkraut.

Als große Kraft- und Frauenpflanze war der Beifuß dem Christentum ein Dorn im Auge. Zu viel Macht verlieh diese Pflanze den Heilkundigen Frauen, die eigentlich nur dem Christengott und damit den Kirchenvätern zustehen sollte. Auch die Tatsache, dass der Beifuß eine abtreibende Wirkung hat, machten Ihn bei der Kirche sicher nicht beliebt.
Dies könnte dazu beigetragen haben, dass der Beifuß  heutzutage ein Schattendasein als Unkraut führt. Den meisten ist er nur noch als Würzgraut zu fetten Speißen, z.B. der Ganz bekannt.
In der offiziellen Phytotherapie wird er nicht verwendet. Hier wurde Sie durch ihren bitterer Bruder, der Wermut, abgelöst. Doch ist es gerade die milde Bitterwirkung, die den Beifuß zu einer wertvollen Heilpflanze macht.

Botanik
Wo Beifuß ursprünglich herkommt und wie er sich verbreitet hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Es wird jedoch angenommen, dass Beifuß aus Mittel- und Nordeuropa stammt und Menschen ihn von dort aus in die Welt getragen haben. Beifussarten erweisen sich als besonders zäh. Sie gehören zu den Pionierpflanzen, die sich des Ödlandes bemächtigen. Sie gehören, so schreibt Wolf-Dieter Storl, zu den Pflanzen, die nach dem Rückzug der Gletscher vor rund 10 000 Jahren die Tundren Eurasinens besidelten. Der Beifuß ist heute fast auf der ganzen Nordhalbkugel, in Europa, Asien und Nordamerika heimisch. Es gibt um die zweihundert verschiedenen Beifussarten.

Er gedeiht auf kargen Böden und wächst häufig an Wegrändern, Bahndämmen, Böschungen und anderen verwilderten Stellen. Der Beifuß ist eine mehrjährige Pflanze, die meistens von Jahr zu Jahr größer wird.

Er wird bis zu 2 m hoch und hat einen harten Stengel mit vielen Seitenausläufern. Der Stengel ist meistens braun bis rötlich.
Seine doppelt gefiederten Blätter sind auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite weißlich und filzig. Die unauffälligen Blüten sind klein und grau-gelb.

Ernte: Von Juni bis September werden die obersten Triebspietzen mit Blättern und Blütenknospen geerntet. Die Ernte erfolgt so lange die Blütenknospen noch geschlossen sind, da sie nach dem öffnen Bitter werden.

Die Ernte erfolgt so lange die Blütenknospen noch geschlossen sind.

Wirkstoffe: Gerbstoffe, Bitterstoffe, z.B. Sesquiterpenlactone, Flavonolglykoside, Inulin, Vitamine, äther. Öl mit: Cineol, Kampfer, Thujon

Wirkung: Beifuß hat eine antibakterielle, antifungizide, beruhigende, durchblutungsfördernde, verdauungsfördernde und wehenfördernde Wirkung.
Anwendung: Blähungen, Blasenentzündung, Chronische Eierstockentzündung, Durchblutungsstörungen, Durchfall (chronisch), Frauenheilkunde, Gallenschwäche, Gebärmutterkrämpfe, Geburt, Hämorrhoiden, Kalte Füße, Kalte Hände, Menstruationsbeschwerden, Mundgeruch, Muskelkater, Müde Beine, Nervenanspannung, Neuralgien, Periodenschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit, Unruhe, Verdauungsschwäche, Wechseljahrsbeschwerden

Das heisse Gewächs: Der Beifuss gilt als heisses, trockenes Gewächs. So kann man sich gut vorstellen, dass die Pflanze besonders gut bei Leiden hilft, welche durch Unterkühlung und Nässe entstanden sind.  Im System der galenischen Ärzte ist die Pflanze, wie z.B. auch die Brennesel, „heiss im 3. Grad“ und somit eine unserer wärmsten Pflanzen. Auch Hildegard von Bingen hebt die besondere Wärme der Pflanze hervor.

Anwendung äußerlich: Fußbäder oder Vollbäd, bei kalten Füßen oder kalten Unterleib, bei Schlafstörungen, zur Menseinleitung. Als Salbe bei Durchblutungsstörungen, als fettes und ätherisches Öl um die Duchblutung zu fördern und Krämpfe zu lösen

Anwendung innerlich: Tee oder Tinktur bei Magen-Darm Problemen, Gebärmutterkrämpfe, Geburt, Hämorrhoiden, Menstruationsbeschwerden, Mundgeruch, Nervenanspannung, Schlafstörungen, Wechseljahrsbeschwerden

Kontraindikationen:
Nicht in der Schwangerschaft und bei akuten Fiebererkrankungen einnehmen

Neues Wissen: Das im einjährigen Beifuß enthaltene Artemisinin wird in der heutigen Zeit zur Behandlung von Malaria verwendet. Da im gewöhnlichen Beifuß weniger Artemisinin enthalten ist, kommt vorzugsweise der einjährige Beifuß zum Einsatz.
Auch im Kampf gegen Krebszellen werden derzeit Tests mit Artemisin durchgeführt.
Sehr interessant dazu: https://bewusst-vegan-froh.de/beifuss-uraltes-wissen-gegen-krebs/

Rzepte

Beifußtee: 1 TL Beifuß-Blätter mit 1/4 l kochendem Wasser übergießen, 2-3 Minuten ziehen lassen, abseihen und in kleinen Schlucken ungesüßt trinken.

Massageöl für müde Beine und geschwollene Füße: In eine kleine Flasche mit weiter Öffnung, werden Beifußblüten und -blättern so voll wie möglich gefüllt. Mit Mandelöl übergißen. Öl drei bis vier Wochen in der Sonne stehen lassen, und die Flasche regelmäßig kräftig durchschütteln. Dann das öl in eine dunkle Flasche mit Schraubverschluss abseihen und kühl lagern. Bei Bedarf Beine und Füße einmassieren.

Fußbad für müde und geschwollene Füße:
Vier Tassen Beifußblätter mit 4 Litern kochendem Wasser übergißen, eine halbe Stunde ziehen lassen und dann ins warme Fußbad abseihen.