Ich wollte meine Hündin nach drei Tagen zurückgeben – heute kann ich mir ein Leben ohne sie kaum vorstellen
Mein Hund Kimba ist aus dem Tierschutz. Wir haben sie aus einem Tierheim im Odenwald. Ursprünglich kommt sie aus Rumänien. Als sie zu uns kam, war sie erst vier Monate alt. Also eigentlich noch ein Welpe.
Heute gehört Kimba seit elf Jahren zu unserem Leben. Sie ist einfach da. Sie begleitet mich auf meinen Spaziergängen, liegt auf dem Balkon oder auf der Couch und ist ein Teil unserer Familie.
Dass es so gekommen ist, war allerdings nicht unbedingt absehbar. Denn drei Tage, nachdem ich Kimba aus dem Tierheim geholt hatte, wollte ich sie wieder zurückbringen. Das war wirklich keine Sternstunde von mir. Aber so war es nun einmal. Ich hatte mich zwar eingehend informiert, aber eigentlich hatte ich überhaupt keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse.
Ich bin nie ein Hundemensch gewesen
Eigentlich bin ich nie ein Hundemensch gewesen. Als Kind hatte ich Angst vor Hunden. Sah ich einen, rannte ich. Der Hund lief dann oft hinterher, und meine Eltern lachten: „Der tut doch nichts“, „du bist doch dumm, wegzurennen, dann rennt er dir eben hinterher, das ist sein Instinkt.“ Mit Logik braucht man der Angst aber nicht zu kommen. Die Angst versteht keine Logik. Ein Hund war für mich ein fremdes Wesen, das man nicht einschätzen kann. Man kann nicht mit ihm sprechen, seinen Gesichtsausdruck nicht deuten. Manche sehen aus wie Wölfe, das Maul offen, die scharfen Zähne sichtbar – ein Gebiss wie der Wolf bei Rotkäppchen. Und der hat schließlich auch ganz lieb im Bett gelegen, nachdem er die Großmutter mit Haut und Haaren verschlungen hatte.
Irgendwann wurde ich erwachsen und stellte fest: Eigentlich hatte ich nie eine schlechte Erfahrung mit einem Hund gemacht. Meine Angst war vor allem Angst vor dem, was ich nicht einschätzen konnte. Beim Joggen begann ich deshalb, auf die Hundehalter zu achten. Waren die entspannt, konnte ich es auch sein. So siegten Verstand und Vertrauen langsam über die Angst.

Mein Sohn wünscht sich einen Hund
Wie bei vielen Kindern war bei meinem mittleren Sohn der Wunsch nach einem Hund besonders groß. Einen Hund im Haus konnte ich mir aber weiterhin nicht vorstellen. Da ich grundsätzlich Verständnis für den Wunsch nach einem Haustier hatte, einigten wir uns zunächst auf Meerschweinchen. Wir informierten uns gründlich und adoptierten schließlich drei Meerschweinchen aus dem Tierheim. Und im Tierheim gibt es natürlich auch Hunde … .
Ich bin gerne draußen, mache lange Spaziergänge. Als meine Kinder klein waren, habe ich sie mitgenommen. Aber irgendwann war ich doch oft allein unterwegs, und ich habe mich gefragt, ob es nicht schöner wäre, Gesellschaft zu haben. Der Gedanke wurde immer größer. Ich habe mir Tierheim-Seiten im Internet angeschaut, bin mit dem einen oder anderen Hund spazieren gegangen. 2015 hatte ich mich dann entschlossen einen Hund zu adoptieren. Es dauerte eine Weile, bis mein Sohn Silas (damals 12 Jahre) und ich, bei TINO im Odenwald auf Kimba stießen. Sie war vier Monate alt und kam ursprünglich aus Rumänien. Im Tierheim erlebte ich sie als freundlich und entspannt. Besonders mit den Kindern, die dort zu Besuch waren. Es ging dann ganz schnell, da ich Kimba nicht reservieren konnte. Ich unterschrieb noch am selben Nachmittag den Schutzvertrag.

Nach drei Tagen wollte ich Kimba zurück ins Tierheim bringen
Kimba kam erkältet zu uns und hatte Milben. Stubenrein war sie natürlich nicht. Auto fahren war eine Katasstophe. Sie zerbiss einiges, wollte nicht alleine bleiben und hatte sehr schnell herausgefunden, wie man unsere Wohnungstür öffnet, so dass Sie auch mal alleine Spazieren gehen konnte. Ich habe mich mit Hunden überhaupt nicht ausgekannt und die Vorstellung, dass dieser Hund jetzt einfach für immer da sein sollte, und so einen riesiegen Raum in meinem Alltag einnahm überforderte mich. Nach drei Tagen wollte ich sie ins Tierheim zurückbringen. Einzig die stillen Tränen meines Sohnes Silas und seine Worte „das kannst du doch nicht machen“ haben mich davon abgehalten.
Im Rückblick war das gar keine typische Tierheimhund-Geschichte – diese Probleme hätte ich mit einem Welpen vom Züchter genauso gehabt. Kimba war eigentlich ein pflegeleichter Hund. Ich war einfach überfordert, weil ich mit Hunden vorher gar nichts am Hut hatte. Ich habe mich langsam an sie gewöhnt. Und die Arbeit wird ja auch spürbar weniger, sobald sich ein Hund erst mal eingelebt hat. Dann ist er wirklich einfach da. Aber das braucht einfach seine Zeit. Mit ein paar Wochen ist das nicht getan.



Der Hundeverein
Weil ich von Hunden keine Ahnung hatte, bin ich zum örtlichen Hundeverein gegangen. Da wurde mir als Erstes beigebracht, wie ein Hund an der Leine läuft und dass er das macht, was ich will – und nicht umgekehrt. Den Trainer fand ich, ehrlich gesagt, ziemlich böse. Aber es hat funktioniert. Kimba hat unfassbar schnell verstanden, was von ihr erwartet wird. Sie ist eine wirklich schlaue Hündin. Außerdem ist sie sehr verfressen und möchte es ihren Menschen gerne recht machen. Für das Hundetraining ist das natürlich eine hervorragende Kombination.
Hundebaknntschften
Bei meinen morgendlichen Hunde-Runden lernte ich ein paar andere HundehalterInnen kennen. Es waren immer wieder die gleichen Menschen und Hunde die man traf, und so entwickelte sich eine richtig schöne „Hundegemeinschaft“. Es entstanden auch Freundschaften, die nun schon Jahre andauern und weit über die Hunde-Runde hinausgehen. Es ist ein bisschen wie mit den Kindern: Über die Hunde lernt man sich kennen, und mit manchen verbindet einen irgendwann viel mehr als nur das gemeinsame Thema.

Mein Seelenhund
Ich neige eigentlich gar nicht dazu, Hunde zu vermenschlichen. Trotzdem: Kimba ist mein Seelenhund. Man sagt ja, Hund und Mensch werden sich mit den Jahren immer ähnlicher, oder es kommt gleich der Hund zu einem, der passt. Ich habe mir schon öfter Gedanken gemacht, ob Kimba etwas von mir spiegelt. Und natürlich ist da auch etwas dran. Intelligent, guter Instinkt, manchmal fehlt es an selbstbewusst sein, manchmal leicht zu verunsichern – das sind wir beide, würde ich behaupten.
Ich bin keine Hunde-Schmuserin (den Part überlasse ich meinen Kindern). Ich bin auch nicht sehr vorsichtig mit meinem Hund und habe nicht die Vorstellung, dass Kimba wie ein Mensch denkt. So kompliziert wie wir denken Hund nicht. Wenn Kimba ihr Fressen nicht will, räume ich es weg – kein Tier verhungert freiwillig, und ich vertraue ihrem Instinkt. Sie hat noch nie etwas gefressen, das uns zum Tierarzt getrieben hätte. Ich finde es schön, wenn sie neben mir liegt und ich ihre Wärme spüre. Es ist einfach schön, dass Sie da ist. Und es gibt eine Verbindung.
Was Kimba für uns alle bedeutet
Jeder in meiner Familie liebt Kimba. Und vielleicht ist das eine der schönsten Sachen an einem Familienhund: Bei einem Hund kann jeder seine Zuneigung zeigen, ganz ohne Umweg. Das gilt besonders für meine Söhne. Pubertät ist nicht immer einfach. Man kann sich selbst nicht leiden, findet die Eltern peinlich und möchte mit Gefühlen möglichst wenig zu tun haben. Aber der Familienhund ist immer toll. Bei Kimba kann man sich noch immer anschmiegen, kuscheln und einfach sein.
Dennoch, würde ich allen die über die Anschaffung eines Hundes nachdenken einen Rat geben: Schafft euch niemals einen Hund „für die Kinder“ an. Am Ende bleibt die Arbeit an den Erwachsenen hängen. Ganz gleich, wie es am Anfang gedacht war. Ein Hund muss in erster Linie von den Erwachsenen gewollt sein. Man muss sich informieren und sich darüber im Klaren sein, dass ein Hund ein Familienmitglied wird – mit allem, was dazugehört.

Mein Hund hat Krebs
Vor zwei Jahren hatte Kimba das erste mal Krebs. An beiden Milchleisten befanden sich Karzenome. Es musste eine große Operation vorgenommen werden. Eine Milchleiste wurde komplett entfernt, bei der anderen blieben nur noch zwei Segmente. Ausserdem wurde Sie bei der selben Operation Kastriert.
Plötzlich war diese Angst da, Sie zu verlieren. Mir wurde schmerzlich bewußt, dass ich mir ein leben ohne Kimba nur noch schwer vorstellen kann. Und das auch ein anderer Hund für mich keine Option ist.
In diesem Jahr kam der Krebs wieder zurück und es wurden auch die letzten Segmente der Milchleiste entfernt. Schnell ging es Kimba wieder gut. Ich hoffe, dass ich Sie noch einige Jahre an meiner Seite haben werde. Diese Erfahrung hat mich meiner Hündin auf jeden Fall näher gebracht, und ich weiß Sie seit dem noch mehr zu schätzen.
Heute ist Kimba einfach da. Sie gehört zu meinem Alltag, zu meinen Spaziergängen, zu unserer Familie. Ich weiß gar nicht, wann aus dem Hund, den ich nach drei Tagen zurückbringen wollte, der Hund geworden ist, dessen Verlust mir heute solche Angst macht. Wahrscheinlich passiert so etwas langsam. Ein Hund zieht ein, nimmt erst einmal wahnsinnig viel Raum ein – und irgendwann kann man sich den Raum ohne ihn nicht mehr vorstellen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen einer Blogparde zum Thema: Mein Tier und ich – eine Verbindung, die mein Leben verändert(e) von Mara Hoffman entstanden.

Hallo, ich bin Rita! Auf Grünkraft schreibe ich über alles, was mich stark, gesund und lebendig macht: Naturerlebnisse, die nichts kosten müssen, Pflanzen, Wild- und Heilkräuter, Wandern, meinen Hund, kreative Hobbys, gute Bücher und ein gesundes, schönes Leben. Eigentlich habe ich Kommunikationsdesign studiert, aber ich habe noch so viel mehr ausprobiert und gelernt. So bin ich auch ausgebildete Phytopraktikerin (Freiburger Heilpflanzenschule), habe einen Gemeinschafts-Kräutergarten angelegt, habe eine Weile geimkert und auch mal Hühner gehalten … Ich probiere vieles selbst aus, bevor ich davon erzähle. Ich bin überzeugt: Die Natur ist die größte Künstlerin, und wir dürfen uns ein Leben lang weiterentwickeln. Wenn dich das anspricht, abonniere gerne meinen Newsletter – dort gibt’s noch mehr davon.
Liebe Rita,
das ist wirklich eine sehr berührende Geschichte. Ich wünsche dir und euch, dass euch Kimba noch sehr lange erhalten bleibt und ihr die Zeit miteinander weiter genießen könnt. Danke, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast!
Liebe Grüße
Mara 🐱💛
Danke liebe Mara. Danke auch für deinen Aufruf zur Blogparade, ohne die ich diesen Beitrag nicht geschrieben hätte. Ich wünsche dir noch einen schönen Sommer/Spätsommer. Liebe Grüße, Rita
Danke für deine persönliche Hunde Biographie Rita! Unsere Hunde waren / wurden immer zum Familien Mitglied! Wie sagte der Journalist Hajo Friedrich. ‚ In dieser Beziehung macht der Mensch das bessere Geschäft.. Ps. Gebissen wurde ich auch schon. Aber nicht vom eigenen Hund! Fehleinschätzung meinerseits. Also Vorsicht und Respekt…LG Siggi
Hallo Siggi,
danke für dein nettes feedback. Ja, du hast recht, Vorsicht und Respekt sind immer geraten. Jedem Lebewesen gegenüber. Liebe Grüße, Rita
Liebe Rita,
dein Satz „Die Angst versteht keine Logik“ wirkt noch nach. Sehr nachvollziehbar beschreibst du, woraus deine Angst entstand und wie du dich ihr auf deine ganz eigene Weise langsam angenähert hast.
Auch deinen ehrlichen Moment drei Tage nach Kimbas Einzug kann ich gut nachempfinden. Man kann sich gründlich informieren UND von der gelebten Wirklichkeit trotzdem erst einmal vollkommen überfordert sein. Das kenne ich auch aus meiner Geschichte mit meinem Ridgeback Floyd sehr gut.
Ganz besonders berührt hat mich der klare Wertekompass deines Sohnes – und sein tiefes Gefühl dafür, dass die Entscheidung für ein Tier Verantwortung bedeutet. Dass du ihn und seine Haltung ernst genommen hast, obwohl du selbst gerade so sehr mit der Situation gerungen hast, sagt viel über dich und deine Haltung aus.
Wie wunderbar, dass aus dem Hund, der anfangs so viel Raum in deinem Leben einnahm, schließlich Kimba wurde – deren Raum du dir heute gar nicht mehr wegdenken kannst.
Ich wünsche euch weiterhin viele wunderbare Erlebnisse und Momente, die deinen Herzraum für immer füllen mögen.
Viele Grüße aus der Nordheide
Katja
Liebe Katja,
danke für deine schönen Worte. Es stimmt, dass mein ältester Sohn schon immer einen sehr gefestigten Wertekompass hatte.
Ich wünsche auch dir weitergin eine tolle Zeit mit Floyd.
Herzliche Grüße, Rita
Liebe Rita,
was für eine schöne Geschichte aus dem echten Leben.
Ja, das Leben mit einem Welpen ist oft anstrengend, schön, nervenaufreibend, überfordernd, lustig, … zugleich. Ich sage ja immer, wer sich einen Welpen ins Haus holt, der muss soviel Fürsorge und Zeit investieren wie in einen Säugling. Und wie recht du doch hast: Die Verantwortung für einen Hund liegt immer bei den Erwachsenen – auch wenn sich die Kinder mehr oder weniger einbringen können.
Ich kann so gut nachvollziehen, dass du dir ein Leben ohne Kimba nicht mehr vorstellen kannst. Meine aktuellen Hunde sind bereits 13 und 14 Jahre. Vielleicht haben wir noch einige gemeinsame Jahre, vielleicht kommt der Tod aber auch viel schneller als gedacht.
Auch wenn unser geliebtes Tier irgendwann stirbt und der Verlust groß ist, habe ich in all den Jahren gelernt, dass die Liebe und die Verbindung auch zu unseren verstorbenen Tieren bleibt. Die Verbindung verändert sich einfach, denn Liebe und Verbindung sind nicht an die körperliche Anwesenheit unserer Tiere gebunden.
Ich wünsche dir und deiner Familie noch viele schöne Momente mit eurer Kimba.
Herzliche Grüße
Johanna
Liebe Johanna,
danke für deine lieben Worte. Es ist ein sehr tröstlicher Gedanke, mit der Verbindung über den Tod hinaus. Für geliebte Menschen natürlich so oder so, warumm dann also nicht auch zu den gliebten Tieren? Es ist eine sehr schöne und tröstliche Sicht auf das Leben. Ich wünsche auch dir noch viele schöne Momente mit deinen Hunden.
Rita